Dreaming Boxer

Leica International Fotografie – Selection Best of Africa

Manchmal beginnt ein langer Tag mit etwas ganz Einfachem.

Okongwati war für uns nur ein kurzer Zwischenstopp. Noch einmal tanken, ein paar Einkäufe erledigen, bevor wir weiter Richtung Westen ins Marienflusstal fahren würden. Vor uns lagen Stunden auf anspruchsvollen Pisten, Tage ohne wirkliche Infrastruktur. Dieses Gefühl, langsam aus der Zivilisation herauszufahren.

Vielleicht waren es genau deshalb diese kleinen Rituale, die sich so gut angefühlt haben. Eine kühle Coke in der Hand. Staub auf der Haut. Ein letzter Moment von Normalität, bevor alles stiller, weiter und einsamer wird.

Ich stand vor dem Supermarkt und wartete. Die Kamera locker in der Hand, ohne konkretes Ziel. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Kinder neugierig näher kamen. Blicke, Lachen, vorsichtige Schritte.

Und dann war da Samuel.

Er stellte sich nicht einfach dazu. Er trat nach vorne. Sobald ich die Kamera hob, veränderte sich etwas. Seine Haltung wurde fester, der Blick konzentriert. Die Fäuste geballt, als hätte er diesen Moment schon hundertmal geprobt.

„Mein Name ist Samuel, machst du ein Bild von mir?“

Kein Zögern, keine Unsicherheit. Nur dieser klare Wunsch, gesehen zu werden.

Ich hebe die M10 hoch, fokussiere und drücke den Auslöser. Zwischen all den Kilometern, der Landschaft, den großen Bildern dieser Reise, war es genau dieser kurze Moment, der hängen bleibt. Weil er nichts brauchte außer Präsenz. Keine Inszenierung, kein perfektes Licht.

Nur ein Junge, ein Traum und der Mut, den Fremden einfach auszusprechen.

Samuel wollte Boxer werden und für einen Augenblick sah es so aus, als wäre er es schon.

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Namib Wilderness